Alfred Herrhausen – Sind Sie ein Spitzenmanager?

Written by Janine Grieß. Posted in Rezensionen

Alexander Magerhans

Autor:
A. Magerhans

„Häufig liegt im Zuhören mehr Führungskunst als im Reden“

(Alfred Herrhausen, 30. Januar 1930 – 30. November 1989).

Der Beitrag, den ich Ihnen vorstellen möchte, stammt vom ehemaligen Vorstand der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen und basiert auf einer Rede, die er 1972 vor der IHK in Stuttgart gehalten hat. Gleich zu Beginn seines Vortrags/Beitrags hebt Alfred Herrhausen hervor, dass es sich bei den oft genannten Eigenschaften erfolgreicherTop-Manager eigentlich eher um Klischees handelt. Er sieht darin Selbstverständlichkeiten, die zwar notwendige, aber keineswegs hinreichende Bedingungen für erfolgreiches Management sind.

Für Herrhausen ist die geistige Haltung des einzelnen Managers das Entscheidende! Durch den Wechsel in Top-Positionen kommt es, so Alfred Herrhausen weiter, zu einem fundamentalen Wechsel/Wandel in der beruflichen Laufbahn. Die Herausforderungen, die sich dadurch für jeden Top-Manager mit Führungsverantwortung ergeben, sind sehr vielfältig und keinesfalls einfach zu meistern:

  • Teamverhalten statt Konkurrenz
  • Toleranz statt Eigennutz
  • Gruppengeltung statt Einzelprestige
  • Integrationspflicht statt persönlicher Ehrgeiz

Zusammenfassend kommt Alfred Herrhausen zum ersten Zwischenfazit, das er folgendermaßen umschreibt:

„Ganz oben sollten plötzlich das natürliche Unterscheidungsverlangen und der persönliche Ehrgeiz eingeschränkt und durch Integrationspflicht ersetzt werden – ein schwieriger, aber notwendiger psychologischer Sprung. Er macht die Spitzenposition nicht nur zur Würde, sondern auch zur Bürde, die innere Bescheidenheit verlangt, Anmaßung nicht verträgt.“ (Herrhausen 2001, S. 396).

Außerdem betont er (bereits 1972!) die sich immer schneller wandelnde Umwelt, die eine zunehmende Wachheit von den jeweiligen (Top-)Führungskräften und –Managern einfordert. „Was zählt jedoch zu dieser Wachheit?“ Alfred Herrhausen nennt stichwortartig die folgenden Facetten der Wachheit:

  • Zeitverständnis
  • Erkennen geistiger, politischer und wirtschaftlicher Strömungen
  • Einfühlungsvermögen
  • Kritische Distanz

Gelingt einem dies, kann man sich vom Zwang des sogenannten Zeitgeistes lösen!

Weiter hebt Alfred Herrhausen hervor, dass der rechte, bescheiden-gelassene Umgang mit sich selbst eine erfolgreiche Führungskraft auszeichnet. Nur wenn es nämlich gelingt, eine offene und kreative Atmosphäre zu schaffen, kann eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern gelingen. Narzissmus ist dabei nicht nur störend, sondern kann auch gefährlich werden, wenn er verhindert, die oben bereits erwähnte kritische Distanz – insbesondere zu sich selbst – zu wahren.

Gegen Ende seines Vortrags kommt Alfred Herrhausen zu einer weiteren Schlüsselaussage:

[…] die freie Initiative, die unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung erlaubt, ja fordert, auf gemeinschaftsbezogene Spielregeln zu verpflichten und so sicherzustellen, dass Eigennutz den Gemeinnutz nicht gänzlich übersieht. Die Konzentration auf das Nur-Ökonomische im überkommenen Sinn führt auf die Dauer zu einer geistigen Verengung, mit der Manager sich disqualifizieren.“

Weiter fordert Alfred Herrhausen die Führungseliten auf, die gesellschaftlichen Probleme der Zeit, in einem wesentlich größeren Gesamtkontext zu sehen und zu berücksichtigen, als dies in der Regel der Fall ist bzw. als notwendig erachtet wird. Er konkretisiert diesen Gedankengang anhand ausgewählter Beispiele/Fragestellungen:

  • Umweltschutzes
  • Entwicklungsländer
  • Vermögensverteilung
  • Öffentliche Infrastrukturen

Bemerkenswert ist außerdem, dass Alfred Herrhausen abschließend betont, dass es DEN Top-Manager, der alle dafür erforderlichen Eigenschaften in sich vereint, in einer unvollkommenen Welt – in der wir alle nun einmal leben – gar nicht geben kann. Vielmehr sieht er im Ideal eine Aufgabe, die immer bestehen bleibt. 

Mein Fazit:

Der Beitrag von Afred Herrhausen ist zwar „nur“ knapp sechs Seiten lang, beinhaltet jedoch sehr viele Anregungen, über die man auch – 42 Jahre nach seiner Rede vor der IHK in Stuttgart – im (Top-)Management heutiger Firmen ruhig einmal nachdenken kann und sollte. Denn nur wenn es den (Top-)Managern – auch und gerade in der heutigen Zeit – gelingt, auf die oben angerissenen Fragestellungen sinnvolle Antworten zu finden, werden sie zukünftig in der Lage sein, ihre Positionen als (Top-)Manager im Unternehmen und als Unternehmen in der Gesellschaft nachvollziehbar zu begründen und dauerhaft zu sichern.

Der Autor:

Als eine der größten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegszeit war Alfred Herrhausen viele Jahre als Vorstand der Deutschen Bank AG tätig. Bereits mit 38 Jahren war er stellvertretender Vorstand der Deutschen Bank AG und hat in den 80er Jahren federführend die strategische Neuausrichtung derselben geprägt. Als Alfred Herrhausen gerade einmal 59 Jahre alt war, wurde er Opfer eines tödlichen Terroranschlags in Bad Homburg.

Literaturquelle:

Herrhausen, A. (2001): Über das Persönlichkeitsprofil eines Spitzenmanagers, in: Bollmann, Stefan (Hrsg.): Kursbuch Management. Die 30 wichtigsten Spielregeln für kompetentes Management: Stuttgart/München, DVA: S. .395-400.

 

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