Jodi Kantor: „Die Obamas – Ein öffentliches Leben“

Written by Janine Grieß. Posted in Rezensionen

AnikaThomas

Autor:
A. Thomas

Er ist der mächtigste Mann der USA und einer der mächtigsten Personen der Welt: Barack Hussein Obama, der erste afroamerikanische Präsident der Vereinigten Staaten. Der 1961 als Sohn eines Kenianers und einer US-Amerikanerin in Hawaii geborene und studierte Jurist überzeugte die Bürger in einem spektakulären Wahlkampf, der sich vor allem durch den Slogan „Yes we can!“ in den Köpfen manifestiert hat. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen der Wähler an seine Regierungszeit und die angekündigten Veränderungen.

Jodi Kantor portraitiert in ihrem Buch „Die Obamas – Ein öffentliches Leben“ eine Familie, die sich in den Jahren 2009 bis 2011, wie die Einzelperson des Präsidenten, im Washingtoner Machtkampf behaupten muss. Vor allem Michelle Obama, die anfangs vom Umzug ins Weiße Haus nicht begeistert war, ihren Mann aber dennoch immer intensiv unterstützt hat, muss erkennen, welche Hürden mit dem Alltagsgeschäft eines hochrangigen Politikers verbunden sind. An ein normales Familienleben ist fortan nicht mehr zu denken. Der alljährliche Urlaub auf Hawaii wird durch tägliche Telefonate und Protokollsitzungen unterbrochen. Für einen privaten abendlichen Kurztrip nach New York, der trotz schwieriger politischer Lage stattfindet, wird das Ehepaar Obama heftig kritisiert. Und Badefotos mit der Tochter Sasha am Golf von Mexiko fungieren als öffentlichkeitswirksames Mittel um Sorglosigkeit nach der Katastrophe an der Ölplattform Deepwater Horizon zu proklamieren. Hinzu kommen Diskrepanzen zwischen dem Beraterstab des Präsidenten und der First Lady, die sich oft nicht ausreichend informiert fühlt. Im Laufe der Zeit lernen die Obamas, sich diesen Umständen anzupassen. Michelle verstärkt ihr Engagement im sozialen Bereich und startet eine Initiative für mehr Bewegung und gesündere Ernährung von Kindern. Die beiden Töchter, die sich durch ihre natürliche Art auszeichnen, werden aus strategischen Gründen gelegentlich für öffentliche Termine eingeplant. Und der Präsident überwirft sich kurzerhand mit seinem Beraterstab und erhofft sich durch einen Personalwechsel bessere Möglichkeiten in der Realisierung seiner politischen Vorhaben.

Zusammenfassend verdeutlicht dieses Buch auf eindrucksvolle Art, wie die Obamas mit sich selbst ringen – in einem Amt, begleitet von mangelnder Wertschätzung der Bevölkerung, erforderlichen Kompromissen mit der Opposition und stilisierter Öffentlichkeitsarbeit. Vor allem der Präsident muss einsehen, dass es nicht gelingt, den angestrebten politischen Wandel in vollem Umfang zu vollziehen. Trotz dieser Widrigkeiten sowie der Notwendigkeit, Privatleben und Präsidentschaft miteinander zu verbinden, schafft es die Familie Obama auf beachtliche Weise, sich selbst treu zu bleiben.

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