Die Grundlagen der gewaltfreien Kommunikation

Written by Janine Grieß. Posted in Rezensionen

Alexander Magerhans

Autor:
A. Magerhans

Heute möchte ich Ihnen einen Kommunikationsansatz vorstellen, mit dem ich mich eigentlich schon seit längerem beschäftigen wollte. Es handelt sich dabei um den Ansatz der „Gewaltfreien Kommunikation, der ursprünglich von Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde. Zunächst habe ich jedoch einem kleinen aber feinen Ratgeber – oder besser gesagt Leitfaden – von Wayland Myers gelesen: „Die Grundlagen der gewaltfreien Kommunikation … wie ich sie verstehe und anwende“

Zunächst fand ich etwas verwunderlich, dass ein Autor die Bezeichnung „gewaltfrei“ gewählt hat, um seinen Vorschlag für eine andere Art der Kommunikation zu benennen. Nachdem ich mich jedoch mit den Ausführungen von Wayland Myers etwas beschäftigt hatte, wurde mir klar, wie viel „Gewalt“ bzw. „Aggression“ wir in unserer täglichen Kommunikation verwenden, ohne uns dessen immer bewusst zu sein.

Sympathisch finde ich, dass Wayland Myers nicht von Regeln, sondern von Leitlinien spricht. Daher handelt es sich auch eher um einen Leitfaden, als um einen Ratgeber. Zunächst werden die zentralen Überlegungen vorgestellt. Im Wesentlichen geht es bei der gewaltfreien Kommunikation um die vier folgenden Bausteine:

  • Welches Ereignis löst den Wunsch in mir bzw. meinem Gesprächspartner aus, zu sprechen?
  • Welche individuellen Gefühle werden dadurch in jeder der beteiligten Personen wachgerufen?
  • Welche persönlichen Bedürfnisse sind die Grundlage für die jeweiligen Gefühle?
  • Gibt es spezifische Handlungen, die ich oder jemand anders ausführen möchte?

Als elementar wird angesehen, dass Sie sich dieser Bausteine bewusst werden und sie unabhängig von einander in der jeweiligen Kommunikationssituation ansprechen bzw. thematisieren. Damit Ihnen dies „gewaltfrei“ gelingt, gibt es grundlegende Empfehlungen:

  • Beschreiben Sie Fakten, ohne zu moralisieren, zu urteilen oder gar zu beschimpfen. Was Myers genau darunter versteht und wie Sie Ihre bisherigen Meinungsäußerungen in die neutrale Beschreibung von Fakten übersetzen können, erfahren Sie anhand von verschiedenen Formulierungsbeispielen auf Seite 26.
  • Konzentrieren Sie sich auf das Erkennen von Gefühlen und vermeiden Sie möglichst jede Form der Beschuldigung oder der Verteidigung. Entsprechende Formulierungsvorschläge finden Sie in einer tabellarischen Übersicht auf Seite 27.
  • Erbitten Sie ein gewünschtes Verhalten. Seien Sie dabei möglichst konkret und vermeiden Sie Forderungen, Drohungen oder jede Form von Manipulation. Zur Veranschaulichung dieser Aspekte hat Wayland Myers entsprechende Beispiele in einer Tabelle auf Seite 31 zusammengestellt.

In den folgenden Kapiteln veranschaulicht der Autor die enormen Potenziale einer gewaltfreien Kommunikation anhand von verschiedenen realen und fiktiven Beispielen in Dialogform. Als Leser erfahren Sie zunächst, wie die Gespräche verlaufen würden, wenn die Beteiligten nicht gewaltfrei kommunizieren würden. Diese Art der Sensibilisierung finde ich sehr gelungen, da sie einem aufzeigt, wie sehr unsere Alltagskommunikation mit negativen Aussagen, Forderungen und (un-)berechtigten Schuldzuweisungen belastet ist. Wenden Sie dagegen konsequent die Ideen der gewaltfreien Kommunikation an, kann dies erst einmal etwas ungewohnt für Sie sein und sogar „merkwürdig“ klingen. Die positiven Effekte werden sich jedoch schnell einstellen. Auf jeden Fall biete die Idee der gewaltfreien Kommunikation einen interessanten Ansatzpunkt für eine wesentlich entspanntere Art der zwischenmenschlichen Kommunikation.

Mein Fazit:

Das Konzept bzw. die Idee der gewaltfreien Kommunikation bietet sehr interessante Ansatzpunkte für die Gesprächsführung. Die verschiedenen Leitlinien zeigen Ihnen Wege auf, wie Sie in schwierigen Gesprächssituationen agieren können, um sofort konstruktive Lösungen zu erarbeiteten oder Folgespräche zu initiieren von denen beide Gesprächspartner profitieren.

Die Einführung in die gewaltfreie Kommunikation von Wayland Myers basiert auf den Ideen von Marshall B. Rosenberg und bietet einen ersten Einstieg in die Thematik. In relativ kurzer Zeit können Sie sich auf eine sehr entspannte Art und Weise dem Thema nähern. Sehr hilfreich finde ich die weiterführenden Literaturhinweise und Internettipps am Ende des Buches. Auf der Website des Center for Nonviolent Communication gibt es eine Übersicht über Trainer, die Ihnen das Konzept der gewaltfreien Kommunikation im deutsch-sprachigen Raum vorstellen und näherbringen können.

Center for Nonviolent Communication

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mein Interesse für die gewaltfreie Kommunikation geweckt ist und ich mich zukünftig mehr mit diesem Ansatz beschäftigen und – sofern es mir gelingt – auch im Alltag umsetzen werde. Auch wenn dies etwas dauern und anfangs nicht ganz einfach sein wird, werde ich mich dabei von den positiven Erfahrungen des Autors motivieren lassen, dem es selbst, so seine eigene Schilderung, zu Beginn nicht leicht gefallen ist, gewaltfrei zu kommunizieren. Über meine Gesprächserfahrungen, die ich damit machen werde, werde ich Sie selbstverständlich auf dem Laufenden halten.

Der Autor:

Dr. Wayland Myers ist Psychologe und hat eine eigene Praxis im nördlichen Teil des San Diego Countrys in Californien. Selbst hat er die Idee der gewaltfreien Kommunikation im Jahre 1986 auf einem Seminar von Marshall B. Rosenberg kennengelernt und war derart begeistert, dass er sie aufgegriffen und seit dem selbst angewendet und weiterentwickelt hat. Wayland Myers ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Literaturquelle:

Myers, W. (2006): Die Grundlagen der gewaltfreien Kommunikation … wie ich sie verstehe und anwende, Paderborn: Junfermann (59 Seiten).

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