Bekommen Sie genügend Aufmerksamkeit? – Josef Kirschner

Written by Janine Grieß. Posted in Rezensionen

Alexander Magerhans

Autor:
A. Magerhans

Möchten Sie, dass man in Ihrem Umfeld auf Sie aufmerksam wird? Für die unterschiedlichsten Lebenssituationen hat Josef Kirschner insgesamt 15 Übungen/Empfehlungen entwickelt, die Ihnen dabei behilflich sein sollen, die Aufmerksamkeit anderer Menschen auf sich zu lenken. Diese 15 Übungen finden Sie im Ratgeber „So machen Sie auf sich aufmerksam. Fünfzehn Übungen, wie Sie aus Ihrem Schatten treten“. Der Ratgeber umfasst insgesamt 108 Seiten und ist 1999 bei Knaur erschienen. Um welche Übungen es sich dabei handelt, möchte ich Ihnen kurz vorstellen: 

Übung 1: „Fällen Sie die Entscheidung aus dem Schatten herauszutreten und – wenn es sein muss – bei anderen anzuecken.“

Signalisieren Sie also ganz bewusst und sehr deutlich: „Ich bin hier und ich bin ich.“ In Kirschners erster Übung bzw. Empfehlung kommt ganz klar zum Ausdruck, dass Sie eine bewusste Entscheidung treffen müssen. Erst danach macht es Sinn, sich zu überlegen, wie Sie gezielt die Aufmerksamkeit anderer Menschen gewinnen können. Schließen Sie dafür am besten einen schriftlichen Vertrag mit sich selbst ab!

Übung 2: „Stellen Sie zum richtigen Zeitpunkt die richtige Frage.“

Diese Übung können Sie dazu nutzen, um mit einer Person, die Sie noch nicht so gut kennen, ins Gespräch zu kommen. Wichtig dabei ist, dass Sie eine Frage stellen, die nicht Sie betrifft, sondern den anderen (also Ihren potenziellen Gesprächspartner).

Übung 3: „Interessiert zuhören beeindruckt manchmal mehr als hundert schöne Worte.“

Lernen Sie wieder, anderen Menschen mehr zuzuhören. Durch aufmerksames Zuhören können Sie Ihrem Gegenüber signalisieren, dass Sie sich für ihn interessieren und ihn respektieren. Dabei betont Kirschner, dass es sich beim aufmerksamen Zuhören um eine anstrengende Technik handelt, mit der es Ihnen, sofern Sie diese konsequent einsetzen, gelingen wird, Ihren Gesprächspartner in Ihrem Sinne, zu beeinflussen.

Übung 4: „Wenden Sie das Manipulationsgesetz der steten Wiederholung an.“

Diese Technik findet in der Werbung schon seit langem Anwendung und zählt zu den klassischen Manipulations-Techniken. Durch die ständige Wiederholung einer Botschaft erreichen Sie das Unterbewusstsein Ihres Gegenübers und im entscheidenden Moment werden diese „unbewussten“ Inhalte sich positiv auf dessen Verhalten Ihnen gegenüber auswirken.

Übung 5: „Setzen Sie der Einordnung Ihren eigenen Wunsch entgegen. Ein Kompromiss ist besser als bedingungsloses Nachgeben.“

Wenn Sie sich mit dieser Empfehlung auseinandergesetzt haben, wird es Ihnen wesentlich leichter fallen auch einmal eine Bitte mit einem klaren „NEIN“ zu beantworten. Wie Sie dies elegant lösen, ohne Ihren Gegenüber vor den Kopf zu stoßen, erfahren Sie auf den Seiten 45-49.

Übung 6: „Geben Sie dem anderen, was er braucht, damit er Ihnen gibt, was Sie von ihm erwarten.“

Wichtig dabei ist, dass Sie zunächst Ihren Gesprächspartner beachten, um ihn dazu zu bringen, Sie zu beachten. Dies klingt im ersten Moment sehr einfach oder gar trivial. Ist es aber nicht. Worauf Sie dabei achten bzw. was Sie dabei bedenken sollten verrät Ihnen Josef Kirschner auf den Seiten 50-55.

Übung 7: „Erinnern Sie sich an jemanden, wenn sonst keiner an ihn denkt.“

Diese Technik erfordert eine gewisse Risikobereitschaft und einen entsprechenden Einfallsreichtum. Besonders effektiv ist diese Vorgehensweise im Zusammenhang mit Niederlagen, die andere Menschen, deren Aufmerksamkeit Sie gewinnen wollen, erlitten haben. Allerdings, dass sei hier nochmals angesprochen, müssen Sie dabei ein großes Fingerspitzengefühl haben und die richtigen (schriftlichen) Worte finden.

Übung 8: „Sagen Sie Ihre Meinung gerade heraus, statt hundert Wenn und Aber zu überlegen.“

In diesem Kontext stellt Josef Kirschner die Schmeichel- und die Provokations-Strategie vor. Was sich dahinter verbirgt und welche Strategie Sie wann und bei wem anwenden können bzw. sollten, lesen auf den Seiten 63-68.

Übung 9: „Machen Sie das scheinbar Selbstverständliche zu Ihrem großen Verkaufsschlager.“

Seien Sie nicht zu bescheiden und reden Sie über Ihre Fähigkeiten, ganz nach dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber“. Auch diese Empfehlung müssen Sie mit viel Feingefühl umsetzen. Andernfalls können Sie genau das Gegenteil (= negative Aufmerksamkeit) von dem erzielen, was Sie eigentlich erreichen wollen (= positive Aufmerksamkeit).

Übung 10: „Unterschätzen Sie nicht das geschriebene Wort“

Kirschner verweist in diesem Zusammenhang auf zwei wesentliche Vorteile: 1. Was Sie aufschreiben ist meist wesentlich besser durchdacht und 2. Das Geschriebene „zwingt“ den Empfänger dazu, Ihre Gedanken, Wünsche und/oder Anmerkungen mehr Beachtung zu schenken.

Übung 11: „Je mehr Details Sie über den anderen wissen, um so mehr beeindrucken Sie ihn.“

Hierbei ist Ihre Konsequenz gefordert. Versuchen Sie vor einem wichtigen Gespräch, einer wichtigen Besprechung oder Präsentation so viel wie möglich (Stärken, Schwächen, Einstellungen, Alter usw.), über Ihren bzw. Ihre Gesprächspartner in Erfahrung zu bringen. Dies ist z. T. mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden. Die sorgfältige Recherche versetzt Sie jedoch in die Lage, durch gezieltes Einstreuen entsprechender Bemerkungen, die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu wecken und die Kommunikation in Ihrem Sinne zu steuern.

Übung 12: „Der Anreiz zum Wettbewerb, bei dem der andere gewinnt.“

Diese recht ungewöhnliche Empfehlung lernen Sie auf den Seiten 85-89 kennen. Schauen Sie doch einmal nach. Es lohnt sich!

Übung 13: „Gestehen Sie einen Fehler ein, bis Ihr größter Gegner Sie tröstet.“

Dies ist ebenfalls eine sehr außergewöhnliche, aber sehr wirkungsvolle Empfehlung. Gerade in Situationen, in denen Sie sich mit Fehlern bzw. Problemen konfrontiert sehen, die Sie zu verantworten haben, haben Sie im Ernstfall mehrere Reaktionsmöglichkeiten: Variante A: Sie verteidigen sich oder Variante B: Sie dramatisieren ganz gezielt und vor allem geschickt Ihren Fehler. Warum und wie Sie dabei vorgehen sollten, erfahren Sie auf den Seiten 90-95.

Übung 14: „Wenden Sie das Manipulationsgesetz der qualitativen Verstärkung an.“

Dafür eignen sich nach Kirschner besonders gut akademische Titel. Für den Fall, dass Sie über keinen akademischen Titel verfügen hat Josef Kirschner verschiedene interessante Vorschläge zusammengestellt, die er auf den Seiten 96-101 diskutiert.

Übung 15: „Am stärksten beeindrucken Sie andere, wenn Sie zum richtigen Zeitpunkt verzichten können.“

Dabei handelt es sich um eine viel zu wenig beachtete „Strategie“, mit der Sie jedoch sehr gut die Aufmerksamkeit anderer Menschen gewinnen können. Die Grundidee diese Strategie verdeutlicht Kirschner am Beispiel einer Zeitungsnachricht über eine Hochzeit, in der es um eine junge Frau geht, von der wir viel lernen können.

Fazit: Die Bücher von Josef Kirschner haben in den letzten Jahrzehnten eine Millionenauflage erreicht und werden durchaus kontrovers diskutiert. Dies ist jedoch nicht der Grund warum ich Ihnen diesen Ratgeber empfehle. Zunächst finde ich den Umfang von „lediglich“ 108 Seiten sehr ansprechend. Sie können sich schnell und ganz gezielt mit den einzelnen Übungen/Empfehlungen vertraut machen. Außerdem werden Ihnen keine besonders komplizierten Methoden präsentiert. Vielmehr geht es Kirschner darum, auf die einfachen Dinge in der Kommunikation hinzuweisen. Beim Entdecken und Überdenken der 15 Übungen wünsche ich Ihnen viel Erfolg! 

Informationen zum Autor:

Josef Kirschner wurde 1931 geboren und ist Vater von zwei Söhnen. Er lebt im Burgenland auf einem kleinen Bauernhof bei Wien. Zusammen mit Psychologen gründete er im Kurort Bad Tatzmanndorf eine „Lebensschule“. Dort trainiert er mit den Teilnehmern das „glückliche“ Leben und Techniken für die Problem-Bewältigung im Alltag. Zu seinen Kunden zählen u. a. Leistungssportler, Manager und Vertreter der Medien. Eines seiner Spezialgebiete ist der Aufbau von Selbsthilfegruppen.

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